Ägypten: Inhaftierte Jugendliche werden gefoltert

30. März 2014 Kairo (BBC/Irib)

In Ägypten sind seit Juli 2013 schätzungsweise 20.000 Personen aus politischen Gründen verhaftet worden. Wie die BBC in einem Bericht dokumentiert, gehören selbst bei Jugendlichen brutale Schläge, Elektroschocks und sexueller Mißbrauch zum Haftalltag. 

Entlassene Häftlinge haben darüber vor der BBC-Kamera ausgesagt. Doch ihre Foltervorwürfe werden von der durch das Militär eingesetzte Regierung bestritten.
 
So wurde der fünfzehnjährige Ahmed Abdel Fattah am 15. Januar in seiner Heimatstadt nahe Kairo niedergeschlagen und verhaftet als er mit seinem Handy eine Demonstration gegen den Sturz von Präsident Mohammad Mursi filmte. Während 34 Tagen auf der Polizeistation wurde er mehrfach mit Elektroschocks gefoltert und geschlagen. Man warf ihm vor, Anhänger der Muslimbruderschaft zu sein und Molotow-Cocktails geworfen und dabei einen Polizeioffizier verletzt zu haben.
 
Der neunzehnjährige Yassin Mohammed war 42 Tage in Kairo inhaftiert. Auch er wurde mit Elektroschocks „behandelt“. Vor der Kamera deutet er sexuelle Übergriffe an – zu schrecklich, um darüber zu sprechen. Verhaftet wurde er, weil er zur Freilassung von zuvor Festgenommenen aufgerufen hatte. Darunter war eine neunzehnjährige Studentin, die sich Ayat Hamada nennt. Inzwischen ist sie wieder zuhause und berichtet, ebenso wie ihre Freundin Salsabile Gharabawi während der ganzen Zeit ihrer Inhaftierung sexuell belästigt und gedemütigt worden zu sein. Beide Frauen tragen Kopftuch. „Die Gewalt war körperlich“, sagt Hamada, „doch ging es darum, uns geistig und seelisch zu brechen.“
 
Die meisten aus der Haft Entlassenen sind zu sehr eingeschüchtert, um über ihre Erlebnisse zu berichten. „Ägypten ist zur systematischen Folter während der Mubarak-Ära zurückgekehrt“, zitiert der BBC-Bericht Gamal Eid vom Arabischen Netzwerk für Menschenrechtsinformation. „Der Unterschied besteht allerdings darin, dass mehr und brutaler gefoltert wird.“ 

Mit solchen Berichten konfrontiert, antwortete der ägyptische Innenminister der BBC: „Alle Gefangene werden fair und gut behandelt.“ Ein hochrangiger Beamter zeigte den Reportern ein Video von einem ordentlichen und sauberen Gefängnis und behauptete, dass es keine Probleme und schon gar keine Folter gibt, allenfalls komme es in seltenen Einzelfällen zu Verfehlungen der Sicherheitskräfte.

In Ägypten finden demnächst Präsidentschaftswahlen statt. Es sieht ganz so aus, heißt es am Ende des BBC-Berichts, als entwickele sich der ehemalige Armeechef Abdul Fattah al-Sisi zu einem neuen Pharao. Es sei sogar zu befürchten, dass die Folter unter einem Präsidenten Sisi noch zunehmen wird. 

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