Bergbaukonzerne in Kolumbien nutzen Paramilitärs für Tötung und Vertreibung

Studie der Friedensorganisation PAX belegt Zusammenarbeit von Drummond und der Glencore-Tochter Prodeco mit Paramilitärs und über 3.000 Morde

Die Kohleunternehmen Drummond und Prodeco in Kolumbien sollen Paramilitärs bezahlt und Informationen mit ihnen ausgetauscht haben, um gegen Gewerkschafter und Bergbaugegner vorzugehen. Dies geht aus der Studie „The Dark Side of Coal“ (Die dunkle Seite der Kohle) hervor, die die niederländische Friedensorganisation PAX am Montag der Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Lilianne Ploumen, vorgelegt hat. Drummond ist ein US-amerikanisches Unternehmen, Procedo eine Tochterfirma von Glencore, dem weltweit größten im Rohstoffhandel tätigen Konzern, mit Hauptsitz in der Schweiz.

PAX hat außerdem die holländischen Energiekonzerne Essent, Nuon, E.ON, Delta und Electrabel in einer Pressemitteilung aufgefordert, keine weitere „Blutkohle“ von den genannten Bergbauunternehmen zu kaufen. Zuerst müssten diese zur Aufklärung der paramilitärischen Gewalt und ihrer Rolle in der Bergbauregion Cesar im Nordosten Kolumbiens beitragen, wo sich ein Großteil der Kohleminen befindet. Zudem müßten sie Tausende von Opfern entschädigen.

Zwischen 1996 und 2006 haben laut der Studie Paramilitärs in Cesar insgesamt 3.100 Personen ermordet und 55.000 Bauern von ihrem Land vertrieben.

PAX hat drei Jahre lang Interviews mit Betroffenen, Ex-Kommandeuren der Paramilitärs sowie Angestellten der Bergbauunternehmen und Zulieferfirmen geführt. Darüber hinaus wurden gerichtliche Zeugenaussagen und eidesstattliche Erklärungen ausgewertet. Nach Angaben der Organisation handelt es sich dabei um die erste systematische Nachforschung über die Menschenrechtsverletzungen im Umfeld der Kohlenminen in der Region. Aus den bislang unveröffentlichten Zeugenaussagen geht hervor, dass die Zusammenarbeit zwischen den Kohlenunternehmen und den Paramilitärs in „finanzieller und materieller Unterstützung sowie im Austausch von strategischen Informationen“ bestand.

Bei der Präsentation des Rechercheberichtes in Berlin in der vergangenen Woche führte Marianne Moor von PAX aus, dass die Bergbauunternehmen bis heute von der Kooperation mit den Paramilitärs profitierten. Auf Teilen des geraubten Landes werde heute Kohle gefördert. Die Morde und Morddrohungen hätten den Kampf der Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen geschwächt und die Gewalt habe fast alle kritischen Stimmen aus der Gesellschaft zum Schweigen gebracht, so Moor, die an der Recherche beteiligt war. Laut Aussagen ehemaliger paramilitärischer Kommandanten halfen die Minenbetreiber Glencore und Drummond seit 1996, eine militärische Einheit aufzubauen, die zunächst 40 bis 60 Männer umfasste. „2006 war diese Gruppe auf eine kleine Privatarmee mit 600 Paramilitärs angewachsen“, so die Autorin.

Bundesdeutsche Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten hoben bei der Veranstaltung hervor, dass Drummond und Prodeco bedeutende Kohlelieferanten auch der deutschen Energieversorger sind. RWE, E.ON und Vattenfall zeigten jedoch keinerlei Bereitschaft, sich von diesen Unternehmen zu trennen. Sie verwiesen bei jeder Kritik auf ihre Initiative „Better Coal“. Dabei handle es sich jedoch „lediglich um eine bedeutungslose Industrieveranstaltung, die das Ansehen der Kohle verbessern soll“, so Sebastian Rötters, Kohleexperte von PowerShift.

Indes hat Drummond auf die PAX-Studie reagiert und in einem Kommuniqué vom vergangenen Donnerstag jegliche Zusammenarbeit mit Paramilitärs abgestritten. „Niemals“ habe der Konzern „irgendeine Beziehung zu Gruppen außerhalb des Gesetzes“ gehabt, heißt es darin. Entsprechende Klagen gegen Drummond seien durch zahlreiche Urteile von US-Gerichten zurückgewiesen worden.

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