Eskalation: Poroschenko befiehlt Artilleriehagel auf Donezk

Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk geplatzt
© Sputnik/ Egor Eryomov

Die für Freitag geplanten neuen Friedensgespräche zur Ukraine in Minsk sind im letzten Moment abgesagt worden. Die Vertreter aus den nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk, die vergeblich in der weißrussischen Hauptstadt gewartet haben, machten die Regierung Kiew für das Platzen des Treffens verantwortlich.

Regelung der Krise in der Ukraine

© REUTERS/ Valentyn Ogirenko – UN-Diplomat: Fenster für Möglichkeit der Ukraine-Regelung nicht verpassen

Das Treffen von Vertretern der Ukraine, Russlands, der OSZE und der „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk finde nicht statt, teilte der weißrussische Außenamtssprecher Dmitri Mirontschik am Nachmittag mit. Nach Angaben der ukrainischen Botschaft in Weißrussland ist der ukrainische Vertreter Leonid Kutschma nicht nach Minsk gekommen.„Die ukrainische Seite hat das Treffen platzen lassen“, kommentierte der Unterhändler der „Donezker Volksrepublik“, Denis Puschilin, vor der Abreise aus Minsk. „Wir haben alles getan, damit der Verhandlungsprozess weitergeht.“ Er bezeichnete es als wichtig, die Gespräche fortzusetzen. „Ein Termin für neue Verhandlungen steht noch nicht fest, aber wir sind für weiteren Dialog offen.“

Erneut tote und verletzte Zivilisten bei Artilleriebeschuss in Ostukraine

© Sputnik/ Михаил Пархоменко

Durch die ukrainische Artillerie sind in den vergangenen 24 Stunden fünf Zivilisten ums Leben gekommen, neun sind verletzt worden, wie ein Vertreter des Führungsstabs der Volkswehr berichtet hat.

„Fünf Zivilisten sind tot, neun sind verletzt. Das sind die Folgen des Beschusses von Donezk und Gorlowka durch die ukrainische Artillerie“, äußerte der Vertreter des Führungsstabs. Er schließt aber nicht aus, dass die Opferzahl noch höher sein könnte.

Donezk unter Artilleriebeschuss

© REUTERS/ Antonio Bronic – Ukrainisches Militär macht Milizen für Angriffe auf Donezk verantwortlich

Der offizielle Vertreter der Sonderoperation der ukrainischen Regierungstruppen, Leonid Matjuchin, teilte seinerseits mit, dass Stellungen der ukrainischen Soldaten in den vergangenen 24 Stunden im Donbass 82 Mal beschossen worden seien.„Die Nacht im Donbass war unruhig, illegale bewaffnete Formierungen beschießen weiter die Stellungen der Kräfte der Anti-Terror-Operation. Seit gestern 18.00 Uhr eröffneten die Volksmilizen 28 Mal das Feuer, dabei wurden schwere Waffen eingesetzt. In den vergangenen 24 Stunden haben illegale bewaffnete Formierungen die Stellungen der Regierungstruppen insgesamt 82 Mal beschossen“, äußerte Matjuchin am Freitag in einer Besprechung.

Im April 2014 hat die ukrainische Staatsführung eine Militäroperation gegen die Bewohner des Donezbeckens im Osten der Ukraine begonnen, die mit dem Februar-Staatsstreich unzufrieden waren. UN-Angaben zufolge sind im Laufe des Konflikts mehr als 4.700 Zivilisten ums Leben gekommen, mehr als 10.000 wurden verletzt.

Ukraine: Kämpfe um Donezk eskalieren - Tote bei Gefechten am Flughafen

© REUTERS/ Alexander Ermochenko

Trotz der vereinbarten Waffenruhe haben sich die Kämpfe in der ostukrainischen Industriemetropole Donezk wieder verschärft. Das Militär und die Milizen werfen sich gegenseitig vor, an einem Tag insgesamt mehr als 100 Mal das Feuer eröffnet zu haben. Die Stadtverwaltung berichtet von vielen Zerstörungen durch den andauernden Artilleriebeschuss.

Die ganze Nacht seien Schüsse aus schweren Waffen und starke Explosionen zu hören gewesen, teilte die Stadtleitung am Sonntag mit. Angaben über mögliche Opfer lägen vorerst nicht vor. „Um 10.00 Uhr am Sonntag ist die Situation in Donezk sehr angespannt“. Der Geschützdonner dauere immer noch an. Es gebe neue Zerstörungen in Wohnvierteln, Schäden an Infrastruktur und Kommunikationen, so die Stadtleitung weiter. Mehrere Stadtviertel seien ohne Strom. Die Reparaturteams könnten wegen des andauernden Artilleriebeschusses beschädigte Umspannwerke nicht erreichen.

Pjotr Poroschenko

© REUTERS/ Valentyn Ogirenko – Ukraine: Poroschenko übergibt Armee neue Haubitzen und Kampfjets

Das Pressezentrum der ukrainischen „Anti-Terror-Operation“ beschuldigte die Milizen, in den vergangenen 24 Stunden die Stellungen der Regierungskräfte 69 Mal unter Beschuss genommen zu haben. Die Donezker Volkswehr teilte ihrerseits mit, dass das ukrainische Militär innerhalb von 24 Stunden 32 Mal die Waffenruhe gebrochen habe. Die ukrainische Armee habe den Stadtkern von Donezk beschossen, aber auch versucht, die Stellungen der Milizen am Flughafen und in Marjinka (westlich von Donezk) zu stürmen, teilte ein Volkswehrsprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur RIA Novosti mit. Die Angriffe seien abgewehrt worden.Juri Birjukow, Berater von Präsident Pjotr Poroschenko, teilte hingegen mit, dass die Nacht am Donezker Flughafen „relativ ruhig verlaufen“ sei. Das Militär habe in der Nacht 21 Verletzte und zwei Tote vom Flughafen in Sicherheit gebracht. Am Samstag hatte Birjukow bereits informiert, dass drei tote und 23 verletzte Soldaten vom Flughafen abgeholt worden seien.

Hunderttausende Ukrainer fliehen vor Kämpfen nach Russland© Sputnik/ Maxim Blinov – Hunderttausende Ukrainer fliehen vor dem Krieg nach Russland – Fotostrecke

Der militärische Konflikt in der Ost-Ukraine war kurz nach dem Februar-Umsturz in Kiew ausgebrochen. Die neue ukrainische Regierung schickte Truppen gegen die östlichen Kohlebergbau-Gebiete Donezk und Lugansk, weil diese den nationalistisch geprägten Umsturz nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Bei den Gefechten sind laut UN-Angaben mehr als 4800 Zivilisten ums Leben gekommen. Hunderttausende Menschen sind nach Russland geflohen. Zudem gibt es mindestens 430.000 Binnenvertriebene und Zerstörungen in Wohngebieten. Die Konfliktgegner vereinbarten bereits zweimal unter Vermittlung der OSZE und Russlands eine Waffenruhe. Der jüngste Waffenstillstand trat am 9. Dezember in Kraft. Doch Anfang Januar eskalierte die Situation wieder.

Poroschenkos Berater: „Armee nimmt Separatisten unter massiven Beschuss“

© Sputnik/ Nikolaj Lasarenko

Die ukrainischen Truppen in der umkämpften ostukrainischen Industriemetropole Donezk haben am Sonntag den Befehl erhalten, die Volksmilizen unter heftiges Feuer zu setzen. Das teilte Juri Birjukow, Berater von Präsident Pjotr Poroschenko, am Sonntag mit.

„Vor zwei Stunden haben alle unsere Truppen im Sektor B (Westen von Donezk) den Befehl erhalten und die Stellungen der Separatisten unter massiven Beschuss genommen“, schrieb Birjukow auf Facebook. „Heute werden wir zeigen, wie stark wir zuschlagen können.“

Erneute Kämpfe in Donezk

© REUTERS/ Alexander Ermochenko – Ukraine: Kämpfe um Donezk eskalieren – Tote bei Gefechten am Flughafen

Der Pressesprecher der ukrainischen „Anti-Terror-Operation“, Andrej Lyssenko, teilte seinerseits mit, dass es sich nicht um ein Kippen der Waffenruhe  handle. Es gäbe keine Offensive, das Militär erwidere lediglich das Feuer der Milizen, sagte Lyssenko zur Nachrichtenagentur RIA Novosti.Trotz der seit dem 9. Dezember geltenden Waffenruhe haben sich die Gefechte zwischen dem ukrainischen Militär und den örtlichen Milizen in Donezk in den vergangenen Tagen verschärft. Insbesondere der Flughafen ist hart umkämpft.

Nordkaukasus: 20 000 bei Demo "Islam gegen Terror" in Inguschetien

© Sputnik/ Michail Fomichev

Mehr als 20 000 Menschen sind am Samstag in der Hauptstadt der nordkaukasischen Teilrepublik Inguschetien auf die Straße gegangen, um an der Kundgebung „Islam gegen Terror“ teilzunehmen.

Mehr als 20 000 Menschen sind am Samstag in der Hauptstadt der nordkaukasischen Teilrepublik Inguschetien auf die Straße gegangen, um an der Kundgebung „Islam gegen Terror“ teilzunehmen.

Massendemos: Islam spaltet Deutschland

© REUTERS/ Hannibal Hanschke – Massendemos: Islam spaltet Deutschland

Wie aus dem Pressedienst des Republikchefs verlautete, forderten die Teilnehmer ihre Landsleute und alle Muslime in der Welt auf, sich nicht in Terroraktivitäten zum vermeintlichen Schutz der Religion hineinziehen zu lassen. Man dürfe auch der Politik des Westens nicht nachgeben, die Kränkung der religiösen Gefühle der Moslems zulasse.Bei den Teilnehmern handelt es sich laut dem Pressedienst nicht nur um Einwohner der Republik, sondern auch um „Gäste aus anderen Regionen des Landes“.

„Ich hoffe, dass sich die destruktive Politik zum Schüren konfessioneller Gegensätze im Westen nicht weiter ausbreitet und von gesunden zivilgesellschaftlichen Kräften begraben wird“, hieß es in einem Appell des Republikchefs Junus-bek Jewkurow.

In ihren Reden verurteilten die Kundgebungsteilnehmer die Politik des Westens, die „gegen die Grundsätze einer liberalen Gesellschaft verstößt und im Grunde genommen auf ein bewusstes Aufeinanderhetzen der moslemischen und der christlichen Welt hinarbeitet“. Es sei unzulässig, unter dem Deckmantel der Redefreiheit die Gefühle von mehr als 1,5 Milliarden Moslems zu kränken, hieß es.

Ramsan Kadyow

Demo gegen Mohammed-Karikatur in Tschetschenien: Kadyrow erwartet Million Teilnehmer

© Sputnik/ Sayid Tsarnaev

Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der französischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ hat die Führung der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien für den morgigen Montag eine massenhafte Protestaktion angekündigt. Republikchef Ramsan Kadyow rechnet mit bis zu einer Million Demonstranten.

Es sei Zeit, zu den „unmoralischen Taten“ der französischen Journalisten öffentlich Stellung zu nehmen, schrieb Kadyrow auf Instagram. „Wir haben beschlossen, eine Volksmanifestation zur Verurteilung dieser Handlungen durchzuführen.“ Kadyrow erwartet mehr als eine Million Teilnehmer zu der Kundgebung, die am Montag um 10.00 Uhr in Grosny beginnen soll.

„Wir hatten ursprünglich mit bis zu 500.000 Menschen gerechnet. Doch nach den jüngsten Angaben könnten es mehr als eine Million sein“, so der Chef von Tschetschenien. Nach seinen Angaben werden nicht zur Tschetschenen, sondern auch Demonstranten aus anderen russischen Regionen zu der Aktion kommen.

Kapitalflucht aus Russland 2014 auf 151,5 Mrd. US-Dollar dramatisch gestiegen

Angesichts der gegen Moskau verhängten westlichen Sanktionen und der anhaltenden Rubelschwäche sind im vergangenen Jahr 151,5 Milliarden US-Dollar aus Russland geflüchtet, 150 Prozent mehr als ein Jahr davor. Das teilte die russische Zentralbank am Freitag mit.

Putin führt zunehmende Kapitalflucht auf Devisenwechsel im Inland zurück

© REUTERS/ Alexander Demianchuk – Putin führt zunehmende Kapitalflucht auf Devisenwechsel im Inland zurück

Allein im vierten Quartal belief sich der Kapitalabfluss auf 72,9 Milliarden Dollar, 330 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Zuvor gingen die obersten Währungshüter für 2014 von einem Kapitalabfluss in Höhe von 134 Milliarden Dollar aus.Laut Basisszenario der makroökonomischen Entwicklung Russlands dürften 2015 noch etwa 118 Milliarden Dollar aus dem Land flüchten. 2016 werde sich der Abfluss von Kapital voraussichtlich auf 75 Milliarden und 2017 auf etwa 53 Milliarden Dollar verlangsamen.

Währungsreserven Russlands 2014 um 23 Prozent geschrumpft

© Sputnik/ Ruslan Krivobok

Die Währungsreserven Russlands sind im vergangenen Jahr um 23,08 Prozent auf 385,46 Milliarden US-Dollar (nach dem Stand vom 1. Januar 2015) geschrumpft. Das teilte die russische Zentralbank am Freitag in Moskau mit.

Devisenkurs

© AP Photo/ Alexander Zemlianichenko – Notenbank: Rubel erreicht Talsohle – Wechselkurs stabilisiert sich bald

Allein im Dezember seien die Reserven wegen massiver Interventionen der Zentralbank auf dem Devisenmarkt zur Stützung des Wechselkurses des Rubels um acht Prozent beziehungsweise um 33,42 Milliarden Dollar zurückgegangen.2013 verringerten sich die russischen Währungsreserven um fünf Prozent. Ihren Höchststand erreichten die Reserven mit 598 Milliarden Dollar Anfang August 2008 und schrumpften am Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise Mitte März 2009 auf 376 Milliarden Dollar.

Goldreserven Russlands
© Sputnik/ Pavel Lisitsyn – Russlands Währungsreserven in erster Januarwoche unverändert geblieben

Bei den Währungsreserven handelt es sich um hochwertige Finanzaktiva, die der Zentralbank und der Regierung der Russischen Föderation zum jeweiligen Stichtag zur Verfügung stehen. Sie bestehen aus Mitteln in Fremdwährungen, den Sonderziehungsrechten (SZR) beim Internationalen Währungsfonds (IWF), der Reserveposition beim IWF und aus Währungsgold. Hierzu gehören Auslandsaktiva, die unter Kontrolle der Organe für Geld- und Kreditregulierung stehen und jederzeit für die Finanzierung des Zahlungsbilanzdefizits, für Interventionen auf Devisenmärkten, die den Kurs der Landeswährung beeinflussen, oder für ähnliche Zwecke verwendet werden können.

Rubel-Verfall
© REUTERS/ Kacper Pempel – Fazit 2014: Rubel-Verfall trotz massiver Interventionen von Zentralbank

Bestandteil der Währungsreserven ist der von der Regierung Russlands auf Fremdwährungskonten der Zentralbank Russlands deponierte Teil des Reservefonds und des Nationalen Wohlfahrtsfonds Russlands.Als Währungsgold gelten Standardgoldbarren und Münzen aus Gold mit einem Reinheitsgrad von mindestens 995 Promille, die im Besitz der Zentralbank und der Regierung Russlands sind. Zu dieser Kategorie gehören sowohl Gold im Tresor als auch solches, das sich auf dem Transport oder in Aufbewahrung unter Haftung, darunter auch im Ausland, befindet.

Agenturen stufen Russlands Rating herab

© AP Photo/ Mark Lennihan

Die internationale Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Russlands auf Baa3 herabgestuft. In der vorigen Woche stufte die Agentur Fitch auch langfristige souveräne Ratings Russlands in ausländischer und lokaler Währung von BBB auf BBB- mit negativem Ausblick herab.

Fitch Ratings

Fitch stuft Russland auf „BBB-“ ab

Gegen Ende Januar wird die Entscheidung der größten Ratingagentur, Standard & Poor’s, erwartet, die das Investitionsrating Russlands auf der untersten Stufe hält.Ben Aris, Chefredakteur des Magazins Business New Europe, führt die negativen Bewertungen auf umstrittene Argumente zurück. „Wenn Sie auf die Zahlen, und nicht auf die Schlagzeilen in den westlichen Massenmedien schauen, werden Sie sehen, dass sich Russland nicht in einer Krise befindet“, äußert Aris. Er verweist darauf, dass es in Russland keine wesentlichen Insolvenzen gegeben habe. Zudem liege der Staatshaushalt im Plusbereich und die Staatsverschuldung sei viel niedriger als bei anderen postsowjetischen Ländern oder bei Griechenland und Italien.

Ben Aris behauptet, dass die Zentralbank Russlands wohl in der Lage sei, den Rubel zu unterstützen. Außerdem betrachten ausländische Investoren nach Ansicht von Aris die Schulden russischer Privatunternehmen immer noch als „zuverlässig“.Russland verfüge derzeit über genug Ressourcen, um seine Schuld in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar, die im nächsten Jahr fällig ist, dreimal zu tilgen, so Aris.

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