Jürgen Elsässer: Putin verhindert Blutbad – Russische Panzerfahrzeuge vor Simferopol gestoppt

Putin hat das Blutvergießen auf dem Maidan gestoppt. Aber die Putschisten gießen weiter Öl ins Feuer und wollen die Eskalation

(Video von heute Vormittag: Ukrainische Polizei stoppt russische Panzerfahrzeuge in der Nähe von Simferopol/Krim)

Sensation in der heutigen Ausgabe der Londoner Times: Der russische Präsident Putin war es höchstpersönlich, der ein Blutbad in Kiew verhinderte. Er hat in einem Telefonanruf Janukowitsch in der Nacht von Freitag und Samstag gedrängt, sich aus Kiew zurückzuziehen. Das hat der polnische Außenminister bestätigt.

Der Rückzug von Janukowitsch führte dazu, dass die Stadt kampflos in die Hände der Putschisten fiel. Alles andere wäre auf einen blutigen Showdown  hinausgelaufen, der mehr Opfer als alles bisherige gefordert hätte. Angesichts der Schwächeerscheinungen in den eigenen Sicherheitsorganen – Janukowitsch hatte in den Vortagen bereits den Armeechef und den Vizearmeechef austauschen müssen – hätte ein solcher Endkampf vermutlich von Janukowitsch ohnedies nicht gewonnen werden können. Putin dürfte auch darauf setzen, dass sich die Putschisten nicht lange halten und vermutlich selbst zerfleischen werden. Das Land steht vor dem Bankrott, die Währung ist im freien Fall. Der gestern gebildeten Putsch-Regierung gehört die Klitschko-Partei Udar nicht an. Umgekehrt haben die extremistischen Maidan-Aktivisten vom Rechten Sektor starken Einfluss. Die künftigen Kontrahenten bringen sich in Stellung…

Als Reaktion auf die antirussischen Provokationen haben prorussische Aktivisten das Krim-Parlament besetzt. Wichtiger dürfte die Ankündigung sein, dass die Krim ein Referendum über ihren künftigen Status – wie bisher oder mehr Autonomie oder Unabhängigkeit – angekündigt hat.

Aus der Ostukraine wird gemeldet, dass der führende Oligarch Achmetow seinen Arbeitern droht, sie dürften nicht an den für Samstag geplanten Kundgebungen gegen die Putschisten teilnehmen. Wer dort gesehen würde, werde gefeuert. Außerdem wurden Lohnabzüge “zum Wiederaufbau des Maidan” angekündigt.

Erste Brüche zeichnen sich im Rechten Sektor ab. In der FAZ befürwortete ein Aktivist aus Lemberg, im Unterschied zur Mehrheitslinie, die Annäherung an die EU. Außerdem gibt es Spannungen zwischen Dmitrij Jarosh, der den Rechten Block nach außen vertritt, und den zum Teil neonazistischen Kämpfern auf den Barrikaden, die ihn als virtuellen Sprchbeutel verhöhnen. Zwei von ihnen mit den Namen  Goran und Mecheslav (sehr ukrainische Namen – ha-ha) traten gestern ihrerseits an die Öffentlichkeit. Das kann noch “lustig” werden.

Die russischen Militärmaßnahmen – Manöver in der Westukraine, Kampfflugzeuge patrouillieren an der Grenze – sind bisher rein symbolisch. Moskau hat aber angekündigt, bei Gefährdung seiner Staatsbürger “entschlossen” zu reagieren. Der flüchtige PräsidentJanukowitsch hat Russland um Schutz gebeten. Das ukrainische Verteidigungsministerium hat die Angehörigen der russischen Krim-Flotte gewarnt, die ihnen zugewiesenen Stationierungsgebiete nicht zu verlassen, alles andere würde als Aggression gewertet.

Trotz Putins Zurückhaltung sind die Pulverfässer aufgestellt, vor allem auf der Krim, und es gibt Leute, die mit glimmender Kippe daran herumhantieren, siehe das gepostete Video.

Weiterlesen in COMPACT 3/2014 – seit heute überall am Kiosk: Der Artikel “Klitschko – Matsch in der Birne” und mein Ukraine-Editorial “Fuck the USA”. Hier kann man COMPACT 3/2014 bestellen.

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