Mexikanischer Aktivist stirbt durch Polizeigewalt

Mexiko-Stadt. Am 26. Januar ist der politische Aktivist und Theaterdirektor Juan Francisco Kuykendall Leal nach über 13 Monaten Überlebenskampf an den Folgen einer Schussverletzung verstorben.

Freunden und Angehörigen gilt er als der „erste Tote“ unter der neuen Regierung von Enrique Peña Nieto, weil er an den Folgen der Polizeigewalt bei den Protesten anlässlich der Amtseinführung starb. Am 1. Dezember 2012 wurde die offizielle Amtsübernahme des Staatsoberhauptes von der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) von Protesten an verschiedenen Orten der Hauptstadt begleitet. Früh schon eskalierte die Situation, schwere Zusammenstöße zwischen Polizeieinheiten und Demonstrierenden begannen und zogen sich über den ganzen Tag hin. Kurze Zeit darauf meldeten Radio- und TV-Sender den Tod eines Menschen.

Gemeint war der 67-jährige Juan Francisco Kuykendall Leal. Ein Polizist hatte aus kurzer Entfernung und sichtlich abseits der Konfrontationen ein Gummigeschoss abgefeuert, das in seine Schädeldecke eindrang. Kuy, wie er von Angehörigen und Freunden genannt wurde, fiel in ein Koma, aus dem er erst 20 Tage später wieder erwachte. Die folgenden Monate bis zu seinem Tod verbrachte er in verschiedenen Krankenhäusern. Sein Nervensystem blieb nachhaltig zerstört. Das Sprechen wurde ihm unmöglich, lediglich die rechte Hand konnte er noch bewegen und die Augen offen halten. Ein Herzstillstand war schließlich die Todesursache.

„Für uns ist Kuy nicht erst im Krankenhaus gestorben, er starb durch die Kugel von diesem Polizisten“, sagte Román vom Netz gegen die Repression und für die Solidarität (RvsR), das Teil der sogenannten „Anderen Kampagne“ ist, die im Jahr 2005 durch die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) ausgerufen wurde. Auch Kuy war Anhänger der Anderen Kampagne. Ihn verband immer eine emotionale und politische Nähe mit der zapatistischen Bewegung. Sein politisch-kultureller Ansatz war stets gewesen, gesellschaftlich ausgeschlossene Gruppen mit in seine Arbeit einzubeziehen. In Mexiko-Stadt gehörte er der Gruppe „Die Andere Kultur D.F.“ an. Kuy gilt als einer der Vorreiter des Straßentheaters.

Teodulfo Torres, ein Freund von Kuy, der gleichzeitig Zeuge der Tat war, filmte mit seiner Kamera zufällig das Geschehen. Er stellte das Video auf Youtube ein. Torres sollte Ende März vergangenen Jahres vor der Staatsanwaltschaft seine Aussage machen. Doch einige Tage vorher verschwand er und bis heute fehlt von ihm jede Spur. Die Menschenrechtsorganisation Comité Cerezo hatte daraufhin eine Eilaktion gestartet. Hinter dem Vorfall vermuten sie eine gewaltsame Entführung aufgrund politischer Motive.

Weder in seinem Fall noch im Fall von Kuy gab es irgendein Bemühen um Aufklärung seitens des Staates, so Román. Bisher sei es unmöglich gewesen, innerhalb der mexikanischen Justiz einen Prozess gegen die Verantwortlichen voranzutreiben, wenngleich die Hauptverantwortlichen für den Polizeieinsatz feststünden: Präsident Enrique Peña Nieto, Innenminister Miguel Osorio Chong sowie Manuel Mondragón y Kalb, der zu dem Zeitpunkt Sicherheitsbeauftragter von Mexiko-Stadt war.

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