Obergrenzen bei Bargeldabhebungen in Europa insgeheim bereits in Kraft

Mark Kempton 10.06.2014 – Kopp OnlineLogo Kopp

Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht noch daran, dass die Bank Hongkong & Shanghai Banking Corporation (HSBC) im Januar dieses Jahres versucht hatte, Obergrenzen bei Bargeldabhebungen einzuführen. Nun zeigte sich, dass es sich dabei nur um einen Testballon gehandelt hatte, mit dem man herausfinden wollte, wie die Öffentlichkeit auf die Begrenzung von Bargeldauszahlungen reagieren würde, wenn dies öffentlich bekannt wäre. Jetzt ist klar, dass diese Begrenzungen bereits in Kraft sind.

 

Immer wieder erhalte ich Berichte von meinen Kontakten, in denen sie mir schildern, sie hätten versucht, größere Mengen Bargeld bei einer Bank abzuheben. Dabei sei ihnen mit bestimmtem Ton klargemacht worden, dass ihnen »eine solche große Summe an Bargeld nicht ausgezahlt wird«. Auf die Frage, ob sie einen Termin ausmachen könnten, an dem sie das Geld abholen könnten, erhielten sie nur die knappe Antwort »Nein«.

Geht es hier nur um lauter Einzelfälle von Fehlverhalten unangenehmer, wenig hilfsbereiter Bankangestellter?

Als nächstes versuchten meine Kontakte dann, Geld auf ein Konto einer anderen Bank zu überweisen. Dort versuchten sie dann ebenfalls, eine größere Summe Bargeld abzuheben. Aber auch hier fiel die Reaktion gleich aus: »Nein, nein, nein, wir werden Ihnen Ihr Geld nicht auszahlen.«

Was geht hier eigentlich vor?

Die Europäische Union (EU) befürchtet, es könnte zu einem systemgefährdenden Sturm auf die Banken kommen. Immerhin haben sie einen solchen Ansturm bereits in Zypern (hier wurden schon ganz andere Sachen erfolgreich getestet) und anderen, am Rande der EU gelegenen Ländern erleben müssen. Einem solchen Run auf die Banken wäre selbst die Europäische Zentralbank (EZB) nicht gewachsen.

Aber die von ihnen ergriffenen Maßnahmen sind interessant, um es einmal so auszudrücken… Sie wollen schlicht einen solchen Bankenansturm verbieten – weil er gegen die Regeln verstößt!

Welche Regelungen, fragen Sie jetzt vielleicht? Diese Regeln variieren von Bank zu Bank, und ich habe einmal einige aufgelistet, so wie sie mir von verschiedenen Kontakten berichtet wurden:

  • Ein Kontoinhaber oder Anleger kann nur etwa zehn Prozent seines Guthabens bzw. seiner Einlage in Bargeld pro Jahr abheben.
  • Diese Begrenzung gilt nicht für einmalige oder wenige Abhebungen in der Größenordnung von bis zu 5000 Euro.
  • Alle Bargeldabhebungen müssen einen »stichhaltigen« Grund haben. Ein kleiner Hinweis: Die Einstellung »Ich habe kein Vertrauen in meine Bank« wird nicht als ein solcher Grund akzeptiert.
  • Die ohnehin schon geltenden Begrenzungen des täglichen Limits von Bargeldauszahlungen am Geldautomaten sind davon ausgenommen.

Da es sich bei der Mehrzahl der Bargeldabhebungen im Allgemeinen nicht um große Summen handelt, ist die Existenz dieser Bestimmungen noch weitgehend unbemerkt geblieben. Aber sobald einer Bank eine ungewöhnliche Anzahl kleiner, aber täglicher Geldauszahlungen auffällt, ist es ihr sehr leicht möglich, diese Bestimmungen noch zu verschärfen – die dafür notwendigen Verfahren liegen in den Schubladen.

Was bedeutet das nun? Es liegt eigentlich auf der Hand. Es wird keinen Ansturm auf die Banken in Europa geben – weil er verboten ist. Wie im Falle eines Kleinkindes wird einfach verboten, mit den Streichhölzern zu spielen!

Wenn man davon ausgeht, dass das System dabei ist, aus allen Nähten zu platzen, sollten wir uns lieber woanders nach besseren Möglichkeiten umsehen, unser Geld anzulegen. Ob diese Beschränkung bereits auch in den USA gelten, ist mir nicht bekannt. Aber auch wenn dies noch nicht der Fall sein sollte, dürfte es schon bald dazu kommen.

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