Paraguay: Putschisten vertuschen Massaker von Curuguaty

27. März 2014/Asunción amerika21.de

Die Abgeordnete der Demokratisch-Progressiven Partei (PDP), Desiré Massi, hat dem paraguayischen Parlament bisher unbekannte Fotos vom Massaker von Curuguaty vorgelegt. Die Aufnahmen, die mit Kabelbinder gefesselte verwundete und tote Kleinbauern zeigen, seien ihr von Unbekannten zugespielt worden, sagte die Parlamentarierin vergangene Woche und forderte erneut eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle vom 15.Juni 2012.

Massi äußerte den Verdacht, dass die auf den Aufnahmen Abgebildeten von Polizisten „gefoltert und exekutiert“ wurden und nicht, wie in der Öffentlichkeit kolportiert, während des Gefechtes gestorben seien. „Warum sollte man Tote fesseln?“, so die Abgeordnete. Diese Aussage deckt sich mit den Ergebnissen der Untersuchung der Menschenrechtskoordination in Paraguay und des investigativen Journalisten Julio Benegas Vidallet, der seine Erkenntnisse in dem Buch „Das Massaker von Curuguaty“ zusammengefasst hat.

Der zuständige Staatsanwalt, Jalil Rachid, wies die Vorwürfe zurück. Die Aufnahmen seien ihm seit 2012 bekannt und brächten keine neuen Aspekte in die Ermittlungen ein. Nur aus Respekt gegenüber den Angehörigen der getöteten Kleinbauern habe er sie der Öffentlichkeit vorenthalten. Rachid steht seit Beginn der Ermittlungen in der Kritik, da er erwiesenermaßen enge freundschaftliche Kontakte zur Familie Rinquelme hält, die die Polizei mit der Räumung des Landstücks, auf dem das Massaker geschah, beauftragt hatte. Inzwischen ist bekannt, dass sich der Großgrundbesitzer Rinquelme das Land widerrechtlich angeeignet hatte.

Das Massaker von Curuguaty, bei dem elf Landlose und Kleinbauern und sechs Polizisten ihr Leben verloren, wurde zum Anlass genommen, den demokratisch gewählten linksgerichteten Präsidenten Fernando Lugo aus dem Amt zu putschen. Im vergangenen Jahr wurden 14 Kleinbauern, darunter auch zwei Minderjährige und zwei schwangere Frauen, wegen Mordversuch, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Landbesetzung angeklagt.

Unter massivem Druck der Öffentlichkeit und als Resultat eines Hungerstreiks wurden mehrere Angeklagte in Hausarrest entlassen. Am 14. Februar begannen fünf der noch in Untersuchungshaft Sitzenden einen erneuten Hungerstreik. Am vergangenen Sonntag übergaben sie dem Justiz-und Gesundheitsministerium sowie dem Obersten Gericht ein Schreiben, in dem sie jegliche medizinische Behandlung sowie Zwangsernährung ablehnen, sollten sie in einen Zustand geraten, in dem sie sich nicht mehr eigenständig artikulieren könnten. (ea/ultimahora)

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