Tag-Archiv | Sparprogramm

Frankreich: Schwere Ausschreitungen bei Groß-Demo

In der Bretagne demonstrierten tausende Franzosen gegen die Politik von Francois Hollande. Sie trugen in Erinnerung an Ludwig XIV. rote Mützen. (Foto: dpa)In der Bretagne demonstrierten tausende Franzosen gegen die Politik von Francois Hollande. Sie trugen in Erinnerung an Ludwig XIV. rote Mützen. (Foto: dpa)

Schulden-Krise – Ludwig XIV. lässt grüßen

In der Bretagne ist es bei einer Großdemonstration gegen die Regierung Hollande zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Regierung in Paris befürchtet eine Ausweitung der Proteste.

  |

Ungarn auf Konfrontations-Kurs: Zentralbank will IWF rauswerfen

 |  Veröffentlicht: 15.07.13, 15:20  |  Aktualisiert: 15.07.13, 15:38  |  88 Kommentare

Wenn sich Ungarn mal nicht durch die EU-Kommission in seiner Souveränität beschränkt sieht, dann muss eben der IWF herhalten. Der Präsident der ungarischen Zentralbank hat den IWF nun aufgefordert, seine Präsenz in Ungarn zu schließen. Es gebe keinen Grund mehr, dass der Währungsfonds im Land bleibe.

Es wird IWF-Chefin Lagarde nicht freuen, einen derartigen Brief von der Ungarischen National Bank zu erhalten.

Es wird IWF-Chefin Lagarde nicht freuen, einen derartigen Brief von der Ungarischen National Bank zu erhalten.

Genauso unbeliebt wie die Troika an sich unter den EU-Ländern ist, so unbeliebt ist vor allem der IWF. Zunehmend gerät er unter Beschuss. Selbst die EU will sich von Lagardes Fonds bald trennen. Mit gutem Beispiel will nun Ungarn vorangehen. In einem Brief an IWF-Chefin Lagarde fordert der Präsident der Ungarischen Zentralbank (UNB), dass der IWF das Land verlassen solle.

In seinem Brief schreibt der Präsident, György Matolcsy, dass es „keine Rechtfertigung für das Fortbestehen einer dauerhaften Mission des IWF in Ungarns gibt“. Die Präsenz des Internationalen Währungsfonds in Budapest solle geschlossen werden. Denn Ungarn werde noch in diesem Jahr die 2008 vom IWF erhaltenen Kredite zurückzahlen, so der Präsident. Zudem sei es Regierungschef Orban gelungen, das ungarische Defizit auf „unter drei Prozent zu drücken und die Staatsverschuldung zu reduzieren“, heißt es in der Mitteilung der Bank.

Insgesamt 20 Milliarden Euro Notkredite erhielt Ungarn vom IWF und der EU. Doch sowohl mit dem IWF als auch mit der EU-Kommission kam es immer wieder zu Streitigkeiten. Einerseits, weil sich das Land dem IWF zufolge nicht die Sparauflagen erfüllte. Andererseits jedoch auch, weil sich die EU Orban zufolge zu stark in die Souveränität Ungarn einmischt (hier). Die EU will im Gegenzug aber nun eine Sonderkommission nach Ungarn schicken (mehr hier).

Ende des Sparkurses in Europa wird Inflation beschleunigen

,  |  06.07.13, 01:08

Die EU bekommt die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff und will mit Konjunktur-Programmen die Wirtschaft ankurbeln. Zu diesem Zweck soll Geld in die Realwirtschaft gepumpt werden. Damit öffnen sich auch die Schleusen für eine Inflation: Denn eigentlich wollte die EZB die gigantische Liquidität zurückrufen, die sie in die Märkte gepumpt hat. Doch der Druck der Straße ist zu groß für einen geordneten Rückzug.

Die tatsächliche Inflation liegt heute schon weltweit über der offiziellen Rate. Wenn nun noch mehr Geld in den Markt gelangt, könnte sich die Entwicklung beschleunigen. (Fotos: DWN/shadowstats)

Die tatsächliche Inflation liegt heute schon weltweit über der offiziellen Rate. Wenn nun noch mehr Geld in den Markt gelangt, könnte sich die Entwicklung beschleunigen. (Fotos: DWN/shadowstats)

Bereits zu Beginn der Schuldenkrise erhöhten die USA die Geldmenge um über 100 Prozent. Die Euroländer um rund 30 Prozent. Und noch immer druckt die EZB neues Geld. Die Billionen-Tsunamiwelle wird irgendwann auf dem Strand aufschlagen – mit verheerenden Folgen für Sparer und Unternehmen.

Als „Inflation“ bezeichnet man einen anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Druckt eine Notenbank bei gleichbleibender Gütermenge mehr Banknoten, entwertet sie das Geld und leistet einer Inflation Vorschub.

Von der Inflation zur Hyperinflation

„Hyperinflation“ bedeutet „hohe Inflation“, man könnte auch „unkontrollierte“ Inflation sagen, bei der das Preisniveau sehr schnell steigt. Da es aber keine allgemein akzeptierte Definition gibt, spricht man im Allgemeinen von einer Hyperinflation, wenn die monatliche Inflationsrate 50 Prozent (das entspricht einer jährlichen Rate von etwa 13.000 Prozent) beträgt. Viele Hyperinflationen enden in einer Währungsreform.

In den 1920er und 1940er Jahren gab es insgesamt sieben Hyperinflationen: Österreich (1921), Russland (1921), Deutschland (1922/1923), Polen (1923), Ungarn (1923), Griechenland (1943) und Ungarn (1945). Je nach Land betrugen die monatlichen Inflationsraten zwischen 47 Prozent und 19.800 Prozent.

Doch Hyperinflationen sind kein „Relikt“ aus der Vorkriegszeit. Seit 1945 gab es allein im europäischen Raum vier weitere Hyperinflationen. In Polen (1989), in Bosnien und Herzegowina (1990), in Russland (1992) und in Georgien (1992).

Dabei fielen Gemeinsamkeiten auf: Alle Hyperinflationen dauerten nur etwa ein Jahr. Die monatlichen Inflationsraten betrugen 50 Prozent oder mehr. Es kam zu dramatischen Preisanstiegen und einem hohen monatlichen Geldmengenwachstum.

Ursachen