Verflechtung paraguayanischer Politik mit Drogenkriminalität aufgedeckt – Journalist bezahlt mit seinem Leben

Politiker in Paraguay in Drogenhandel verwickelt

Titelseite der Website von Última Hora (Screenshot)

Titelseite der Website von Última Hora (Screenshot) – Quelle: ultimahora.com

Asunción 21.10.2014 – Amerika21.de

Senatoren und Parlamentsabgeordnete der traditionellen politischen Parteien Paraguays sind in einem Bericht der Zeitung Última Hora (UH) am Sonntag direkter Verbindungen zu Drogenkartellen beschuldigt worden.

Mit Fotos und Hintergrundinformationen der namentlich genannten Personen auf ihrer Titelseite publizierte UH einen investigativen Bericht, in dem Parlamentariern und Politikern der regierenden Colorado-Partei und der Liberalen Partei vorgeworfen wird, direkt oder indirekt am Kokain- und Marihuana-Handel beteiligt zu sein. Es handelt sich um fünf Abgeordnete und eine Ex-Parlamentarierin der Colorado-Partei sowie um einen Senator und einen Provinzgouverneur der Liberalen Partei.

In dem Bericht wird unter anderem darauf hingewiesen, dass der Colorado-Abgeordnete Marcial Lezcano als seinen Stellvertreter auf der Liste der Parlamentarier den Drogenbaron Carlos Rubén Sánchez hatte, der in Brasilien gesucht wird. Der Bruder von Lezcano sei außerdem dieses Jahr sieben Monate im Gefängnis gewesen, weil er im Besitz von flüssigem Kokain für den Versand nach Europa war.

Bei einer Durchsuchung der Villa eines Bruders des Parlamentariers Fredy D’Eclessis wurden 195 Kilo Kokain gefunden und die stellvertretende Abgeordnete Perla Vazquez beschuldigte ihren Kollegen von der Colorado-Partei, unter einem Pseudonym auf einer Verteilerliste der Drogenhändler zu stehen, heißt es in der Reportage weiter.

Última Hora, eine der größten Zeitungen des Landes, bringt außerdem die Familie des Abgeordneten Carlos Maggi von der regierende Colorado-Partei mit dem Drogenhandel in Verbindung. Eine Ladung von 311 Kilo Kokain, ein Flugzeug und ein Boot seien am Wohnort seines Vaters, einem ehemaligen General der Armee, beschlagnahmt worden.

Auch die Angehörige der Colorado-Parteispitze, Cristina Kuba, sei in Drogengeschäfte verwickelt, so UH. Auftragsmörder hätten einen ihrer Söhne getötet, ein anderer Sohn sitzt wegen Besitzes von 195 Kilo Kokain im Gefängnis und ihr Ehemann, laut der Zeitung ein Rechtsanwalt der Drogenmafia, kam ebenfalls gewaltsam zu Tode.

Erwähnt wird in dem Bericht auch der Zusammenstoß zwischen Senator Robert Acevedo und dem Gouverneur von Amambay, Pedro González, die sich gegenseitig beschuldigten, die mächtigsten Mafiosi zu schützen. Ersterer war mit dem mutmaßlichen Drogenboss Jarvis Giménes Pavao fotografiert worden. Auf González wurde im Jahr 2010 ein Anschlag verübt, bei dem es um eine Abrechnung zwischen Mafiagruppen gegangen sei, schließt der Bericht von Última Hora.

Die rechtskonservative Colorado-Partei regierte Paraguay bis 2008 ununterbrochen für 61 Jahre, darunter 35 Jahre unter Diktator Alfredo Stroessner. Am 15. August 2013 trat der Unternehmer und Multimillionär Cartes von der Colorado-Partei das Präsidentschaftsamt an. pl

Journalist in Paraguay ermordet

Demonstranten in Asunción fordern die Bestrafung der Täter

Demonstranten in Asunción fordern die Bestrafung der Täter – Quelle: entornointeligente.com

Asunción 22.10.2014  – Amerika21.de

Der Journalist und Korrespondent der Zeitung ABC Color, Pablo Medina, ist während einer Dienstreise in seinem Auto erschossen worden. Eine seiner zwei Begleiterinnen ist auf dem Weg ins Krankenhaus an ihren schweren Schussverletzungen gestorben. Medina war wegen seiner Reportagen über den Drogenhandel in Paraguay ständig bedroht worden, erklärt ABC. Die Regierung vermutet, dass Drogenhändler für die zwei Morde verantwortlich sind.

Die journalistische Arbeit Medinas störte Mafiagruppen in der Grenzzone zwischen Brasilien und Paraguay, „die in Curuguaty, Villa Ygatimí, Ypehú, Yasy Cañy und anderen Gemeinbezirken der Provinz Canindeyú aktiv sind“, schreibt ABC. Zu den Themen des engagierten Journalisten gehörten ebenso der Schmuggel illegal abgeholzter Baumstämme, die Korruption der lokalen Behörde und die umweltschädigenden Besprühungen großflächiger Plantagen.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den Bürgermeister von Ypehú, Vilmar Acosta Márques, erlassen. Wie die Zeitung ABC informierte, hatte Medina mehrere Drohungen von Acosta bekommen, weil der 53-Jährige über die Beziehungen des Amtsträgers zu den Mafiagruppen berichtet hatte. Außerdem sei sein Bruder, Wilson Acosta, einer der unmittelbaren Täter des Mordes, sagte die Überlebende aus. Beide Acostas sind auf der Flucht.

In seinen letzten Reportagen widmete sich der Journalist dem Anbau von Marihuana im Mbaracayú-Waldschutzgebiet und den heimlichen Umschlagplätzen des Rauschmittels, die „mit einer verwunderlichen Straffreiheit funktionieren“, so ABC weiter.  Medina berichtete über den Fund von drei Tonnen Marihuana unter dem Haus des brasilianischen Drogenhändlers Avilio Manuel Espíndola Isasi. Auch der Brasilianer hätte Medina bedroht.

Der 53-Jährige ist der dritte ermordete Journalist in diesem Jahr. Am vergangenen 19. Juni wurde Edgar Pantaleón Fernández Fleitas erschossen. In seiner Sendung „Ciudad de la Furia“ (Stadt der Wut) des Senders Belén Comunicaciones prangerte Fernández Korruptionsfälle der Judikative in der Region an. Auch der Radiojournalist Fausto Gabriel Alcaraz ist wegen seiner Berichte über den Drogenhandel im Mai getötet worden.

Am Samstag bekam ABC Color Drohanrufe von Unbekannten, die die Zeitung aufforderten, nichts mehr über „den Fall Ypehú“ zu veröffentlichen. abc/nher

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